Doktoratsinitiative "DokIn'Holz"

Holz - Mehrwertstoff mit Zukunft

Zielsetzung der Doktoratsinitiative

Seitens des BMWFW wird die Zusammenarbeit mit dem waldbasierten Sektor als Modellfall für wertschöpfungsorientiertes Handeln in Forschung und Lehre gemeinsam mit dem betroffenen Wirtschaftsbereich gesehen. Das Doktorats-Verbundprojekt wird dabei auch als Einstiegsphase in eine längerfristige Zusammenarbeit zwischen dem BMWF und FHP betrachtet.

Neben der allgemeinen Zielsetzung der miteinander vernetzten Dissertationsprojekte richtet sich der Fokus der Initiative DokIn’Holz nicht zuletzt auf Grund der kooperativen Finanzierung durch BMWF und Wirtschaft insbesondere auf

  • Produkte für die Wissenschaft bzw. die Science Community im Sinne von hochwertigen Publikationen in SCI-Journalen, internationale Konferenzbeiträge usw., sowie auf
  • Produkte für die Wirtschaft wie populärwissenschaftliche Publikationen oder Präsentationen und Impulse für das damit verbundene Innovationssystem Holz im Sinne wissens- bzw. forschungsbasierter Innovationen durch Zusammenführung von Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Niveau wissenschaftlicher Arbeiten.

Der waldbasierte Sektor in Österreich 

Der waldbasierte Sektor stellt einen der wichtigsten Wirtschaftsbereiche des Landes dar, dessen Waldfläche fast 50 % ausmacht. Dabei liefert der Wald nicht nur die nachwachsende Ressource Holz, sondern erbringt gemäß dem Österreichischen Forstgesetz über diese Nutzfunktion hinaus auch wichtige Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungsfunktionen. Das System Wald in Österreich ist bei Hillgarter et al. (1994) in verschiedenen Einzelkapiteln der Leistungen des Waldes, dem Nachhaltigkeitsprinzip, dem Waldbau und der Forsttechnik, der Forstpolitik sowie der Verarbeitungskette vom Rohstoff zum Endprodukt detailliert diskutiert und dokumentiert. Aktualisierte Darstellungen zu den Leistungen des waldbasierten Sektors werden jeweils durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (z.B. Prem et al. 2012), dem Bundesforschungszentrum für Wald (Lackner et al. 2013) sowie durch die Geschäftsberichte und aufbereiteten Statistiken der jeweiligen Fachverbände für Holzindustrie und Papierindustrie (bzw. Austropapier) sowie die Kooperationsplattform FHP bereitgestellt. In diesen Statistiken kommt die herausragende Bedeutung des waldbasierten Sektors im Hinblick auf seinen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, zum Arbeitsmarkt (Anzahl der Beschäftigten und Einkommensbezieher aus dem Sektor) sowie zum Außenhandel (in der Größenordnung des Tourismus) klar zum Ausdruck.

Neben der in den oben genannten Statistiken dokumentierten Nutzfunktion des Waldes über die gesamte Verarbeitungskette Holz erbringt das multifunktionale System Wald über die Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungsfunktion auch noch weitere, essenzielle Leistungen, die der Gesellschaft überwiegend in Form öffentlicher Güter zugutekommen. Im Anhalt an Schweizer Studien (Rauch-Schwegler 1994, Alfter 1998, Sekot 2013) kann davon ausgegangen werden, dass der damit verbundene Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt den Produktionswert der Wertschöpfungskette Holz nochmals deutlich übersteigt. Im Sinne einer volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung bewerkstelligt die Forst- und Holzwirtschaft damit eine in diesen Wertrelationen einzigartige Kombination aus Produktionsleistung und Sozialerträgen.

Eine aktuelle Bestandaufnahme der Holz-, Zellstoff- und Papierverarbeitung, die in vielen Bereichen auch eine Europäische Technologieführerschaft aufweist und eine Diskussion strategischer Technologiekonzepte und Handlungsempfehlungen für die Zukunft, ist bei Teischinger et al. (2009) in einer Technologie Roadmap Holz für Österreich zusammengefasst. In diese Technologie Roadmap ist auch die nationale Forschungsagenda für den waldbasierten Sektor in Österreich mit einer Auflistung von zentralen Forschungsthemen integriert (Greimel 2008). Diese nationale Forschungsagenda ist wiederum mit der Europäischen Forschungsagenda der „Forest-based Sector Technology Platform“ vernetzt.

Darstellung des Forschungszusammenhanges und des Forschungsfeldes

Mit Bezug auf die oben angesprochenen Eckpfeiler und die thematische Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette reicht das Spektrum der Dissertationsprojekte vom Forst (Sicherung der Rohstoffversorgung) über technologische Aspekte (holzchemisch und mechanisch technologisch), Supply Chain Management mit Technologiebewertung und Entwicklung bis hin zu Grundlagen für neue holzbasierte Werkstoffe und Produkte sowie Grundlagen zur Verwendung von Holz als Baustoff bzw. im Holzbau.

Die kooperative Entwicklung von DokIn’Holz und der Einzelthemen zwischen Vertretern der Wirtschaft und der Wissenschaft bringt die Chance zu einem neuen Wissensmanagement im Sektor, birgt aber auch die Herausforderung von wissenschaftlichem Zugang zum Thema einerseits und der Generierung von Wissen mit Anwendungsbezug für die Wirtschaftspartner andererseits, wie dies bei Teischinger (2012) eingehend und in genereller Form von Fischer et al. (2010) diskutiert wird.  Die vorliegende Initiative eröffnet die Möglichkeit mit den angeführten Forschungsthemen auch grundlegendes Wissen und neue Forschungsmethoden zu ganz spezifischen Fragen des Holzes entlang der Wertschöpfungskette Holz zu generieren und Forscher dabei inhaltlich und methodisch zu vernetzen. Dieses transdisziplinäre Konzept, das auf der Kooperation und Interaktion von Wissenschaft und Wirtschaft beruht, kann in Zukunft auf Folgeprojekte und Forschungsprogramme des waldbasierten Sektors übertragen werden und somit eine neue Kultur zur Wissensgenerierung in der waldbasierten Forschung schaffen.

Der Rohstoff Holz ist eine nachwachsende, aber dennoch über die Flächenbewirtschaftung nur begrenzte Ressource mit einem jährlichen Zuwachs von ca. 30 Mio. Festmetern in Österreich und 768 Mio. Festmetern in der EU, wobei aus verschiedenen Gründen nur etwa zwei Drittel des Zuwachses geerntet werden (Prem et al. 2012, Anon. 2011). Zugleich kommt es in verschiedenen Sparten der Holzverwendung zu deutlichen Zuwachsraten, und einzelne Nutzungen wie jene von Holz als Energieträger zeigen überproportionale Zuwächse. Neue Prozessketten wie die Bioraffinerie auf Basis Holz stehen vor unmittelbaren technologischen Umsetzungen. Dies führt, wie bei Teischinger (2007) diskutiert und bei Mantau (2010) und Anon. (2011) ausführlich dargestellt, zu neuen Herausforderungen hinsichtlich einer effizienten Nutzung der Ressource Holz, um in Zukunft als wettbewerbsfähiger Roh- und Werkstoff in Produkte und gebaute Strukturen eingehen zu können.

Das Forschungsprogramm steht damit unter der Prämisse der Wissensgenerierung zur ressourceneffizienten Bereitstellung und Nutzung des nachhaltig verfügbaren Rohstoffes Holz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Wissenschaftlich fundiertes Basiswissen aus den einzelnen Dissertationsprojekten soll mit der im Projekt kooperierenden Forst- und Holzwirtschaft diskutiert werden  und als Basis für eine forschungs- und wissensbasierte Innovation dienen und damit in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft leisten.

 

Literatur

Alfter P (1998) Quantification et essai de valorisation dans le cadre d’un projet de l’OFEFP. Schweizer Zeitschrift für Forstwesen 149 (2): 87-104.

Anon. (2011) The European Forest Sector Outlook Study II, 2010-2030. UN-UNECE-FAO, Geneva, Rome, ISSN 1020-2269.

Greimel M (2008) Nationale Forschungsagenda für den waldbasierten Sektor in Österreich. Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP), Wien.

Fischer C, Novak R, Reckling F (Red.) (2010) Rollenmodelle des Doktoratsstudiums in Österreich – ein Diskussionsbeitrag. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) und FWF, Der Wissenschaftsfonds, Wien.

Hillgarter FW, Johann E (1994) Österreichs Wald – Vom Urwald zur Waldwirtschaft. 2. völlig überarbeitete Auflage, Autorengemeinschaft Österreichs Wald, Wien, ISBN 3-9500264-1-X.

Lackner C, Schreck M (Red.) (2013) Wald im Fokus. Bundesforschungszentrum für Wald, Wien, ISBN 978-3-902762-21-4.

Mantau U. et al. (2010) EUwood - Real potential for changes in growth and use of EU forests. Final report. Hamburg/Germany, 160 S.

Prem J, Beer R (2012) Datensammlung 2012 zum Österreichischen Waldbericht. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Abt. IV/1, Wien (Download http://www.lebensministerium.at/publikationen/forst/waldbericht/datensammlung_2012.html).

Sekot W (2013) Ökonomie der Multifunktionalität – Multifunktionalität der Ökonomie. Antrittsvorlesung, Universität für Bodenkultur Wien, 15.04.2013.

Rauch-Schwegler T (1994) Wie viel ist der Schweizer Wald wert? CH Waldwochen. Zürich.

Teischinger A (2007) Ressourcenverknappung in der Holzwirtschaft als Herausforderung für Technologie und Innovation. LIGNOVISIONEN Band 15. Universität für Bodenkultur Wien, ISSN 1681-2808.

Teischinger A, Tiefenthaler B (2009) Zukunftsideen für Forst – Holz – Papier. Ergebnisse zum Projekt „Technologie – Roadmap für Holz in Österreich“. LIGNOVISIONEN Band 23, Universität für Bodenkultur Wien, ISSN 1681-2808.

Teischinger A (2012) Die Dissertation: Ziel – Zusatzqualifikation – unbekanntes Wesen. Wood Nachrichten, 141. Ausgabe. Kompetenzzentrum Wood Kplus, Linz.

Teischinger A (2013) Zu Gast im Wallenberg Wood Research Centre (WWSC) in Stockholm. Wood Nachrichten, 157. Ausgabe. Kompetenzzentrum Wood Kplus, Linz.

dokinholz.tuwien.ac.at